Eine weitere Saison
Letzte Woche habe ich im hohen Norden diesen Winter ausklingen lassen. Im finnischen Lappland, in und um Muonio, gab es drei Marathonläufe. Gleich beim ersten Wettkampf über 60 km geriet ich gewissermassen vom Regen in die Traufe: Schneefall auf den Höhenzügen, Regen im Tal und viel Wind. Ich präparierte meine Ski selber und beweis dabei nicht eben ein glückliches Händchen. Es handelte sich um eine reine Schinderei, und am Schluss fragte ich mich, ob und wie ich wohl die anderen beiden Rennen über 50 und 80 km durchstehen würde. Doch, es ging, und zwar erst noch besser als befürchtet. Im Schlussklassement aller drei Läufe belegte ich den 10. Platz. Das ist ein akzeptables Resultat, auch wenn für mich die Rangliste nicht im Vordergrund stand. Ich wollte mir noch etwas Wettkampfhärte holen und zum Saisonschluss nochmals auf Schnee laufen.

Nachdem ich noch nicht wieder Weltcup-Niveau erreicht habe, möchte ich meine Karriere um ein Jahr im FIS-Marathon fortsetzen. Dazu bedarf es Verhandlungen mit dem LSV und einer für beide Seiten akzeptablen Lösung. Am besten wäre wohl der Anschluss an ein Marathon-Team, denn als Einzelkämpfer ist man chancenlos. Ich habe meinen Spass an diesen Volkslangläufen gefunden und ich denke, dass ich mich sowohl in den einzelnen Rennen wie auch im Gesamtklassement steigern kann.

eine gute Erfahrung
Zwischen Rena und Lillehammer bin ich über eine wunderbare Erfahrung reicher geworden. Der norwegische Birkebeiner ist ein schöner Lauf, wobei bei meinem Start sicherlich das gute Wetter mitgespielt hat. Nach Freitag schneite es noch. Dann klarte es in der Nacht auf Samstag auf und die Temperatur sank um rund 4 Grad. Ideale Verhältnisse, hätte man meinen sollen. Doch grobkörniger, vereister Schnee im Start- und Zielbereich sowie Pulver im Gebirge machten das Wachsen nicht unbedingt einfach.
Das Interesante bestand aber im Rucksack von 3,5 kg Gewicht, den jeder der 14 000 Teilnehmer mittragen muss. Früher als Überlebenspackung betrachtet, steckt jeder Langläufer hinein, was ihm geeignet scheint, dass es möglichst wenig Beschwerden verursacht. Ich hatte den Ratschlag Sand erhalten, begnügte mich dann aber aus praktischen Gründen mit Blumenerde. Zwsichen dem 30. und 35. Kilometer geriet ich in eine grosse Krise, nachdem ich mich zuvor darauf beschränkt hatte, mein Tempo zu laufen. Nach 40 der 54 km sehnte ich das Ziel herbei, doch die Abfahrten brachten nicht die erhoffte Erleichterung. Ich konnte kaum in die Hocke gehen, weil ich sofort Beinkrämpfe bekam. Am Schluss entsprach der 26. Platz meinem Leistungsvermögen, das ich den ganzen Winter hindurch aufwies. Bemerkenswert: Nach meinem Einsatz sass ich bald einmal in einem Whirlpool, damit die ärgsten Schmerzen nach dem Wettkampf möglichst bald gemildert wurden.

Freude für Alexandra
Den Engadin Skimarathon wollte ich aus der Defensive heraus laufen, mich gut positionieren und am Ende noch einigermassen bei den Leuten sein. Aus Erfahrung wusste ich, dass der Stazerwald eine der strategisch wichtigen Stellen ist. Nach einem überraschend guten Start lief ich dann im Stazerwald in etwa 20. bis 25. Position, mit einer schönen Zahl bekannter Athleten aus Skandinavien um mich herum. So dürfte es etwa hinkommen, dachte ich mir -- und schon war es geschehen: Jemand liess abreissen, es ergab sich eine Lücke.
Vollgas hies nun das Motto, denn unter uns Verfolgern herrschte Einigkeit, dass wir wieder zur Spitze aufschliessen wollten. Dieses Vorhaben schienen wir Ende des Flugplatzes Samedans zu verwirklichen, als mir ein Gegner auf den Stock trat. Ich machte einen Dreher und hatte im Nu 10 m Rückstand. Die Hoffnung, dass sich nach dem Sprint in La Punkt das Geschehen beruhigen würde und ich so noch Unterschlupf in der Spitze finden könnte, erfüllte sich bedauerlicherweise nicht. Der Abstand wurde nach verzweifelter Gegenwehr grösser, und rigendwann einmal resignierte ich. Es hat nicht sollen sein -- in diesem Winter passt aber auch kaum einmal etwas zusammen...
Die erfreuliche Nachricht stammte von Alexandra. Meine Frau lief den erstmals durchgeführten Halbmarathon von Maloja nach Pontresina. Obwohl sie lieber klassisch läuft als skatet, ist dies ein schöner Erfolg. Ich gönne ihr diesen Sieg von Herzen! Natürlich fehlte es danach nicht an Gesprächsstoff, und eine der Diskussionen ging in die Richtung, ob es wohl nicht besser wäre, sie würde inskünftig Volksläufe bestreiten und ich übernehme die Rolle der Betreuung...!

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